Meine Erfahrungen vom Fußgänger zum Piloten. Wie lernt man fliegen?
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Über mich.

So, das bin ich

  • Björn
  • Jahrgang 1978
  • Systemtechniker
  • Fliegen? Alter Jugendtraum!
  • Schuhgröße 43 (kommt ganz drauf an)

Wenn ich groß bin werde ich mal Pilot!

Irgendwann steht jeder mal vor der Entscheidung womit im Berufsleben mal Geld verdient werden soll. Jeder. Auch ich. So kam es dann auch mal auf einem Urlaubsflug, dass da so ein kribbeln in mir aufstiegt, als ich ein Blick ins Cockpit werfen durfte. Man. Toll. All diese Knöpfe und Leuchten und überhaupt. Technisch angehaucht war ich ja schon immer. Irgendwie nahm ich den restlichen Flug nun ganz anders war als vor dem Cockpitbesuch. Damals – weit entfernt von 9/11 war das auch kein Problem, den Jungs mal über die Schulter zu schauen. Der Urlaub konnte nicht schnell genug vorbei sein – hauptsache wieder in den Flieger!

Da war es. Dieses Gefühl, dass ich später als Berufswusch meinen Eltern äußerste.
Die linke Augenbrau meiner Mutter hob sich – und ich wusste was das heißt. Abgelehnt.
“Lern’ doch was gescheites. Das ist doch nix für dich!”
Hmm. Hatte sie etwa recht? Ist das wirklich nichts für mich. Wer kennt mich besser als die eigene Mutter. Ich hab’ ja noch etwas Zeit.

Die Bücher über Flugzeug die man als Jugendlicher eben so hat, lagen erstmal ziemlich weit hinten nach dem Gespräch.
Hat sie recht?? Wen könnte ich fragen? Wer könnte mir darüber auskunft geben, was en Pilot macht und wie man vor allem einer wird.
Internet gab es damals noch nicht. Wen kann ich fragen?

Arbeitsamt?

Auf dem Arbeitsamt legte mir der “Berufsberater” ein kleines Büchlein vor. Darin stand welche Anforderungen an einen Berufspilot gestellt werden und welche Voraussetzungen er mit bringen muss.
Englisch, Mathe, Physik. Letzteres wäre kein Problem. Aber Englisch. Hmmm. Mutter hat recht – das ist nichts für mich.

So kam es wie es kam. Ich konzentrierte mich nun nicht mehr bzw noch weniger auf English. Mathe war so-la-la. Ich begann eine Ausbildung als Elektroinstallateur. Mein Gesellbrief war recht gut. Ziemlich gut sogar. Nach der Pflichtarbeitszeit – Erfahrungen sammeln – ging ich danach gleich auf die Meisterschule. Von Fliegen oder Pilot kein Gedanke mehr. Abgehakt.

Man wird älter. Man lernt Frauen kennen und trennt sich wieder. Man lernt eine Frau kennen, die aus der Fliegerei kommt. Und plötzlich kommt wieder das kribbeln wenn man sie so erzählen hört, wie und was heute auf dem Flug von Stuttgart nach Wien alles so passiert ist und wie es war, als sie auf dem Rückflug kurz im Cockpit saß. Blöde Kuh.
Manchmal schlägt das Schicksal irgendwie schon verstärkt zu. Frau wechselte den Job. Es zog sie ins Ausland. Ich flog beinahe 14-tägig nach Malle. Dort arbeitete sie damals. Nicht, dass mir das Fliegen etwas ausgemacht hätte – ach was. Im Gegenteil.
Wie schon erwähnt, man wird älter und reifer. Man denkt über das vergangene Leben ach – wenn es auch noch nicht sehr alt ist. Und dann denkt man sich

Ach, hätte ich doch damals …

Ich war unglücklich mit meinem Job – gleichzeitig aber auch sehr zufrieden. Nur fehlt eben etwas. Mir fehlt die Fliegerei. Das konnte ich feststellen. Mir fehlt das Feeling und Flair, dass zwangsweise ein Flughafen oder eine Rollbahn mit sich bringt. Mir fehlt der Geruch von Flugbezin. Mir fehlt das Pfeifen der Triebwerke.
Was ich aber hatte, war und ist bis heute noch ein cooler Job, den ich nicht aufgeben möchte. Obwohl ich heute überhaupt nichts mehr mit Elektrohandwerk zu tun habe, bin ich wirklich sehr zufrieden, mit dem, was ich erreicht habe.

Warum sollte ich denn deshalb meine feste Anstellung aufgeben und mich in ein berufliches Abenteuer stürzen. Dazu bin ich zu konservativ (Augenbraue hoch) erzogen – immer auf der sicheren Seite leben.
Toll. Un was hab ich nun von der sicheren Seite. Ich bin unglücklich, wenn ich auch nur ein Flugzeug in einer Zeitung sehe – geschweige denn in einem in Urlaub fliege. Und wir sind sehr oft geflogen. Mutter und ich, bzw. später meine Frau und ich.

Sie ist Flugbegleiterin!

Sie arbeitet nun nicht mehr auf Mallorca sondern wieder bei einer Airline. Schlimm für mich. Ich kann nicht mehr so oft fliegen. Gut für mich – sie ist wieder da wo sie hingehört. Bei mir.
Schlimm für mich, wenn sie wieder von Cockpits und Delays, On-Block und Off-Block erzählt. Vom Holding und ATIS aus Wien und wer gerade schwanger geworden ist.

Tja. Was tun. Ich bin glücklich und doch nicht. Ich hab den Job, den ich immer wollte und doch nicht.

Was tun? Soll das so weiter gehen? Kann das so weiter gehen. Ich verrenke mir ja schliesslich immer den Hals, wenn auch nur der anschein entsteht, dass ein Flugzeug am Himmel zu sichten ist.

Am Schlimmsten in meinem Zustand war der Tag an dem ich vorne im Cockpit mit nach Mallorca fliegen durfte. Ich meine “schlimm” natürlich im positiven Sinn. “Alter ist das geil!”, sagte mein Gewissen. Beim Aussteigen war ich froh, dass mir der Herrgott Ohren gab. Andernfalls hätte ich im Kreis gegrinst. So cool. Ach, Sie als Leser verstehen das nicht! Oder doch. Haben Sie auch eine Mutter die die Augenbraue hochziehen kann.

Eines steht fest:

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Berufspilot = Chance verpasst. Das ist zu spät für mich. Damit habe ich mich abgefunden. “Es ist halt so…”

Mich hält es aber trotzdem nicht davon ab, in ein Cockpit zu sitzen. Wenn auch alles etwas kleiner und wenig technisch-lastig.

Jungs und Mädels da draußen im Internet! Mein Apell an euch:

Macht alles, wenn ihr glaubt es ist richtig für euch

Selbst wenn “der Schuß nach hinten losgeht”, ihr hab das versucht zu werden, was ihr wolltet. Und wenn es nicht klappt, ja dann hat es halt nicht sollen sein. Aber lasst euch nie, nie irgendeinen Traum nehmen. Nie. Es ist euer Leben! Und es ist euer Leben, wenn ihr mit irgendwas auch immer nicht zu frieden seit. Ihr müsst damit klar kommen, nicht die Mutter, nicht der Vater und auch nicht der Onkel.

Lernt aus meinen Erfahrungen!

Nun. Wie schon erwähnt. Für den Berufspilot (ATPL) ist der Zug für mich durch. Für den Privatpilot (PPL) ist es nie zu spät. Nichts schlimmeres für mich als ein alter Greis, dessen letzte Sekunden auf der Welt gerade ablaufen sterben zu müssen ohne selbst geflogen zu sein. Und mit fliegen meine ich nicht auf die Nase.

Also. Kids. Macht was!

ICH lerne zu Fliegen. Punkt.